PommernBlog

0

Was fällt mir bei Kunst zu Windkraftanlagen ein?

Redaktion 29. Oktober 2015

Kunst ist ein Begriff, der für das Schöne steht. Dabei ist das Schöne kein wertender Begriff. Was bedeutet schön? Art 5 GG normiert die Kunst rechtlich: Kunst und Meinung ist ein Werteurteil. Diese Freiheit  sich ein eigenes Urteil über unsere äußere Welt zu fällen darf nie zur Disposition des hoheitlichen Gesetzgebers stehen. Im Baugesetz steht zur Baugestaltung geschrieben: Das Ortschafts- und Landschaftsbild darf nicht durch ein Bauvorhaben verunreinigt werden. Dabei wird mit dem Begriff „verunreinigt“ keine wertende Beschreibung benutzt.

Soweit Windkraftanlagen überall  in der  Mecklenburgischen Seenplatte herumstehen würden, dürften diese nicht den natürlichen Anblick dieser Seenplatte Mecklenburgs zerstören. Niemals darf der größte Teil der Menschen, die daran vorbeilaufen, darüber wie folgt urteilen: „Diese Anlagen lösen in meinem Inneren  solche Proteste aus, dass ich diese mit meinem Verständnis für Ästhetik und Kunst nicht vereinbaren kann“. [1]

Muss also Kunst einem Zweck dienen? Was ist Ästhetik? Ein Einheimischer, der die Seenplatte schon seit seiner Kindheit  kennt, kommt diese ohne Windkraftanlagen bekannter vor. Angenommen ein Fischer hat sein Fischfangrevier an der Ostsee. Dieses Revier kennt er seit vielen Jahren. Urplötzlich beim morgendlichen Ausfahren stößt er auf ein Ungetüm. Dabei fühlt er sich bei einer Windkraftanlage an ein metallenes Seeungeheuer erinnert. Dieses Ungeheuer ist nicht mit unserem ureigenen Vorverständnis vereinbar. Auf einmal steht etwas vor, das nicht zur eigentlichen Natur gehört. Eine Windkraftanlage ist Kunst, solange sie sich in das Landschaftsbild einfügt. Dieses Windrad, ist dann der expressionistische Fleck aus der Hand eines Picassos. Dabei ist das Baugesetzbuch doch ein solch farbloses Regelwerk.

Bauverfahren brauchen nach dem Baugesetzbuch (BauGB) grundsätzlich eine Genehmigung. Im Flächennutzungsplan wird festgelegt, wie die Flächen zum Bauvorhaben genutzt werden. Im Bebauungsplan wird daraufhin parzellengenau bestimmt: Wie, wo, was, wohin gebaut werden soll. Nach § 35 II BauGB umfasst eine Verunstaltung des Ortsbildes mehr als nur das Fehlen einer harmonischen Beziehung mit der örtlichen Umgebung, wie dies in § 34 I BauGB voraus gesetzt wird. Eine  Verunstaltung liegt darüber hinaus vor, wenn der Betrachter das Vorhaben in ästhetischer Weise als grob unangemessen  empfindet.  Dies kann bei einer riesigen Windkraftanlage, die die Baumwipfel an der Größe überragt und das Ausmaß eines Baumes übersteigt, durchaus gegeben sein. Windkraftanlagen können in uns den Eindruck einer technisierten Umwelt erwecken. Dabei sind sie Fremdkörper der Natur. Manch einer findet Windkraftanlagen bestimmt nostalgisch. Er fühlt sich in Kinderzeiten zurück versetzt. Dort haben Don Quijote und Sancho Pansa in der Kindergeschichte gegen den lebenden Drachen angekämpft. Am Ende hat sich der Drache als eine Windmühle herausgestellt. Auf der anderen Seite gibt es Skeptiker. Der Skeptiker würde gerne Windkraftanlagen für eine neue Plattform nutzen um dort zu propagieren: „Windkraftanlagen in der Ostsee sind wegen den langen Transportwegen ein ökologisches Desaster. Wir wollen kein logistisches und ökonomisch ruinierendes Geschäft.“ Diesen Punkt möchte ich in meiner Ausführung  zunächst hinten anstellen. Allenfalls ist zwischen dem ihrerseits schutzwürdigen Interesse der Bauherren mit der Fragestellung abzuwägen, was einer unbeteiligten Dritten Person, den Anwohnern an einer Windkraftanlage, zugemutet werden kann.

Eine Windkraftanlage kann exogene Wirkungen besitzen. Dabei kann ein Schattenwurf auf einem Haus entstehen. Wenn dieser Schattenwurf  über 30 Minuten der zulässigen Zeit nach dem § 22 BimSchG überschreitet, ist dies nach Definition Strahlung. Von Kunst darf keine schädigende Wirkung ausgehen. Es stellt sich wieder die Frage, ob eine Windkraftanlage wirklich ein Kunstwerk ist. Ich vermag das Problem nicht zu lösen.

[1] BVerwGE 2,172 = NJW 1955, NVwZ 1991, 64

Ein Gastbeitrag von Tobias Fank

Kommentar hinterlassen

Anmelden

Kann mich nicht an Sie erinnernPasswort ?

Registrieren