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Von Booten, Saudis, Moral und Demokraten

Redaktion 21. März 2013

Wie im Februar bekannt wurde, hat die gerade erst durch die Bremer Lürssen-Gruppe vor der Insolvenz gerettete Peene-Werft in Wolgast einen Auftrag für den Bau von Patrouillenbooten im Gesamtumfang von ungefähr 1,5 Milliarden Euro erhalten. Nun könnte man meinen, dass Bevölkerung und Politik in Landkreis und Land aufgrund der in Aussicht stehenden Auslastung der Werft für die nahe Zukunft freudeschreiend durch die Luft springen. Aber es gibt einen Knackpunkt an der ganzen Sache. Denn: Auftraggeber für die Patrouillenboote ist nicht irgendwer, sondern das Königreich Saudi-Arabien. ­­­Genau das Land zwischen persischem Golf und rotem Meer, welches gerne Mal als absolutistischer Schurkenstaat bezeichnet wird.

Das dem durchaus so sein kann und das in diesem Land die Menschenrechte z.T. mit Füßen getreten werden, soll an dieser Stelle gar nicht geleugnet werden. Wie sind aber die zahlreichen Stimmen der Menschen aus der unmittelbaren Region zu erklären, die anscheinend kaum Bedenken bezüglich dieses Auftrages haben und wirklich freudeschreiend durch die Luft springen? Haben die, die sich vehement gegen diesen Auftrag stellen, vielleicht schon einmal daran gedacht, dass die betroffenen Menschen angesichts der gerade abgewendeten Insolvenz einfach nur froh sind, für die nächsten Jahre Ausblick auf eine Beschäftigung zu haben? Oder das die Aussicht auf Arbeitslosigkeit dazu führt, vielleicht mal zu vergessen wo der Auftrag herkommt?

Ich möchte hier nicht die Meinung vertreten, dass es gleichgültig ist, wer denn der Auftraggeber von Bestellungen solcher Art ist. Auch mir wäre der Bau von Schiffen zur zivilen Nutzung lieber und bei realistischen alternativen Aufträgen aus Ländern die eher mit unserem Wertekanon übereinstimmen, sind diese selbstverständlich dem Auftrag der Saudis vorzuziehen. Ich plädiere aber dafür, sich ernsthaft einmal in die Lage der betroffenen Personen zu versetzen und dann im Zweifelsfall im Sinne des Wohles dieser Menschen abzuwägen. Jegliches populistisches „Dagegen“ wie es seitens mancher (oftmals nur aus Prinzip) betrieben wird, hilft niemandem und ist einfach nur unnötig.

Wenn man schon gegen so einen Auftrag ist, sollte man wenigstens im Sinne der Betroffenen nach realistischen Alternativen suchen. Stichwort Alternativen: Ein gewisser Politiker der Linken führt hierzu übrigens aus, dass die Peene-Werft ja alternativ beim Umbau der russischen Flotte beteiligt werden könnte. Wie wir seit Gerhard Schröder alle wissen, haben wir es in Russland ja mit einer lupenreinen Demokratie zu tun. Von daher wäre das ja was völlig anderes als ein Auftrag des saudischen König Abdullahs.

Ein Gastbeitrag von Florian Stahlkopf. Der Autor ist Student der Politikwissenschaft an der Universität Greifswald. 


Comments (3)

  1. Der Autor sollte die Wahl seines Studienganges dringend überdenken! Nur weil die Kanzlerin mit allen und jedem Geschäfte macht entbindet uns das vor dem noch lange nicht von unseren demokratischen und humanistischen Wertvorstellungen. Für den hier geäußerten Relativismus sollte weder die Arbeitslosigkeit noch krude Vorschläge der Linken maßgeblich sein. Über 70% der deutschen Bevölkerung sprechen sich immerhin nachweislich gegen den Verkauf von Waffen aus und in diese Kategorie gehören auch Patrouillenboote.

    Wie lauten die Alternativvorschläge der CDU oder stehen wir in dieser Angelegenheit wie so oft alternativlos da?!

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    • Hallo Wissender,
      ich muss leider feststellen, dass Sie meinen Artikel nicht richtig gelesen haben.
      Erstens habe ich dafür plädiert, dass „[…] bei realistischen alternativen Aufträgen aus Ländern die eher mit unserem Wertekanon übereinstimmen, […] diese selbstverständlich dem Auftrag der Saudis vorzuziehen [sind]“. Womit wir beim Stichwort Alternativen wären: Meines Wissens gibt es im Moment leider keine Alternativen. Und weiterhin sprach ich mich ausdrücklich dafür aus, „[…]sich ernsthaft einmal in die Lage der betroffenen Personen zu versetzen […]“. Das ist leider bisher allzu oft versäumt worden. Und das unterstelle ich auch Ihnen.
      Desweiteren möchte ich Sie fragen ob Sie schon einmal darüber nachgedacht haben was passiert wenn dieser Auftrag seitens der Peene-Wert nicht angenommen wird? Denken Sie, dass dieser Auftrag dann seitens der Saudis ad acta gelegt wird? Es stehen bereits 5-6 Interessenten in der Schlange (übrigens aus Ländern denen man einen gleichen Wertekanon wie den Deutschen unterstellen kann), die warten, falls der Auftrag wirklich abgelehnt werden sollte. Aber wahrscheinlich reicht Ihnen ja ein gutes Gewissen aus. Frei nach dem Motto: Ich habe moralisch richtig gehandelt, was kümmert mich der Rest.
      Eine Sache noch: Ich weiß zwar nicht aus welcher politischen Richtung Sie kommen, aber ich möchte Ihnen ans Herz legen, mal nachzuschlagen, was den die Rot-Grüne Bundesregierung bezüglich Rüstungsaufträgen und Militärausgaben getan hat. Das Gerede, dass allein Frau Merkel und die böse CDU solche Geschäfte macht, ist einfach nur heuchlerisch.

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      • Und nochmal: Betroffenheit rechtfertigt keinen Relativismus, genau so wenig wie die Handlungen oder Haltungen anderer Länder. Die Politik ist dem Wähler verpflichtet und der ist bundesweit gegen Rüstungsexporte, meine politische Position spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.

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