PommernBlog

2

Piraten in gefährlichem Fahrwasser: Ein Blick auf den Nationenbegriff

Philipp Amthor 27. Mai 2013

Aktuell sorgte Uwe Bastian, der im Wahlkreis 16 (Vorpommern-Greifswald II, Mecklenburgische Seenplatte I) für die Piratenpartei für den Deutschen Bundestag kandidiert, durch eine befremdliche Wortwahl für einige Irritationen. So formuliert er die Prämisse einer „Nationalen Einheit“ als Basis seines Handelns und führt diesbezüglich weiter aus, dass das aus dem Lateinischen stammende Wort Nation „In dem Land geborene Leute, geborenes Volk“ bedeute. Gemeinsam betrachtet reichlich missverständliche Worte und Grund genug dafür, einen Blick darauf zu werfen, was für ein Verständnis des Nationenbegriffes geboten scheint.

„Frei, Sozial und National“ ist eine nicht unübliche Forderung auf Demonstrationen der rechtsextremen Szene und insofern erscheint es reichlich merkwürdig, dass Piraten-Bundestagskandidat Uwe Bastian auf seiner Internetseite ausgerechnet „Freiheit, Soziale Gerechtigkeit und Nationale Einheit“ als „Grundlagen, Ziele und Basis“ seines Handelns herausstellt. Darüber hinaus führt Bastian in einem Ausschnitt seiner Rede die Zugehörigkeit zu einer Nation äußerst unglücklich und misslich auf den Geburtsort zurück:

Das ist ganz einfach, weil die Nationale Einheit – die Nation – eine entscheidende Frage ist als Integrationsmöglichkeit der ganzen Gesellschaft. Weil das eine Notwendigkeit ist, dass man einen Nationalen Körper braucht, um überhaupt im größeren Maßstab mit anderen Nationen der Europäischen Einheit zu kommunizieren und vertraglich sich zu binden – und zu handeln überhaupt als Gesellschaft.
[…]
Nation kommt aus dem Lateinischen und heißt »In dem Land geborene Leute, geborenes Volk«. Ganz einfach.“

Auf dieser Internetseite finden sich die Quellen zu den Ausführungen von Uwe Bastian, die scheinbar am Problembewusstsein des Bundestagskandidaten ermangeln und die  seine politische Integrität schon als fragwürdig erscheinen lassen. Für mich ist nicht haltbar, die Zugehörigkeit zu einer Nation alleinig und einseitig auf den Geburtsort zurückzuführen und es erscheint dringend geboten, dieser Meinung ein anderes Verständnis des Nationenbegriffes zu entgegnen:

Nationen gründen sich nicht auf der Zugehörigkeit nach Geburt, sondern auf einem historisch gewachsenen politischen Zusammengehörigkeitsgefühl, das durch gemeinsame Geschichte, Tradition, Sprache und Kultur geprägt ist. Aus diesen Erfahrungen lässt sich unzweifelhaft eine Leitkultur unserer Gesellschaft ableiten, die sich im Wesentlichen auf unserer deutschen Sprache, auf der Anerkennung von Menschen- und Bürgerrechten und unseres freiheitlich demokratischen Verfassungsstaates sowie auf dem wertbildenden christlichen Menschenbild gründet. Diese Leitkultur begründet nationale Identität und hat gleichzeitig – entgegen linker Politikrhetorik – nichts mit Ausgrenzung und geschlossenen Grenzen gemein. Ganz im Gegenteil schließt unsere Leitkultur auch Zuwanderung als Teil unserer Identität als beliebtes Einwanderungsland der Nachkriegszeit ein.

Aus dieser Leitkultur lässt sich für mich selbstverständlich auch ein gesundes – ein aus meiner Sicht sogar notwendiges – Maß an Patriotismus ableiten. Dieser muss aber ganz im Sinne der beschriebenen Leitkultur unbedingt aufgeklärt in Abgrenzung zu nationalistischem Gedankengut stehen, da es sich bei einer Nation natürlich auch immer um eine Erinnerungsgemeinschaft handelt. Zu dieser Erinnerungskultur gehören natürlich der erste und der zweite Weltkrieg, Nationalsozialismus und Holocaust, Flucht und Vertreibung sowie die sozialistische Diktatur in der DDR. Selbstverständlich nehmen die nationalsozialistischen Verbrechen, denen Millionen von Menschen zum Opfer gefallen sind, einen besonderen Stellenwert in diesem Erinnern ein.  Auch wenn meine Generation keine Schuld für die nationalsozialistischen Verbrechen auf sich  genommen hat, besteht für uns selbstverständlich eine Verpflichtung für den Kampf dafür, dass Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft ebenso wenig eine Chance haben wie kommunistische und nationalistische Diktaturen. Daher sind die unreflektierten Äußerungen des Piraten Uwe Bastian zu kritisieren. Von einem Bundestagskandidaten erwarte ich das Vermeiden des Erweckens eines Anscheins eines einseitig nationalen Politikverständnisses.

Comments (2)

  1. Ich will mich gar nicht im Detail mit den Unterstellungen, Halbwahrheiten, Auslassungen und plumpen Lügen auseinandersetzen, die in diesem Artikelt gesammelt erscheinen.
    Hier nur der Hinweis auf eine deutliche Erklärung:

    http://bastian.piraten-usedom.de/unvereinbarkeitserklarung/

    Wenn man sich inhaltlich mit einer Aussage beschäftigen will, sollte man nicht nur die Einleitungssätze heranziehen, sondern auch deren Erläuterung. Insbesondere beim Nationenbegriff, der nun mal aus dem Lateinischen stammt und die genannte Bedeutung besitzt, erfolgt anschließend die Erläuterung, dass dies nicht mehr unserem heutigen Nationenbegriff entspricht.
    Aber dann wäre ja die schöne Pointe im Fundamentalistenblog futsch gewesen…
    Originalvideo von der Rede ist übrigens hier:

    http://bastian.piraten-usedom.de/videomaterial/

    Für die geneigten Leser, die sich ein eigenes Urteil bilden möchten.

    Wir erklären das der CDU auch gern – vielleicht beim Kaffee? Das heißt, wenn sie auch mit Demokraten Kaffee trinken geht und nicht nur mit den Kreistagsnazis.

    Antworten

Kommentar hinterlassen

Anmelden

Kann mich nicht an Sie erinnernPasswort ?

Registrieren