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KuS-KuS oder Von einem der auszog, das Lachen zu verbieten.

Redaktion 16. Oktober 2014

Donnerstagabend in Greifswald: Der Sozialausschuss der Bürgerschaft tagt. Auf dem Programm steht unter anderem der „Kultur- und Sozialpass“, kurz KuS genannt. Der von allen Fraktionen mitgetragene Pass soll armen Familien die Teilhabe an den Kulturangeboten der Hansestadt ermöglichen. In der Diskussion wird schließlich von einer Teilnehmerin vorgeschlagen, den „Kinder-Mittags-Tisch“ aus Mitteln des Kultur- und Sozialpasses zu finanzieren. Ein sachkundiger Einwohner erwidert daraufhin scherzhaft, dann bekämen die Kinder „KuS-KuS“. Das harmlose Wortspiel bringt alle Ausschussmitglieder zum Lachen. Fast alle. Nur Ibrahim Al Najjar von der SPD kann nicht lachen. Was keiner ahnt, hat er sofort durchschaut: Hinter diesem Scherz muss ein ausländerfeindlicher Angriff stecken. Diese Chance will sich Herr Al Najjar nicht entgehen lassen. Mutig stürzt er sich in die Opferrolle, zeigt extreme Betroffenheit und erläutert die Bedeutung von Couscous als Grundnahrungsmittel der Armen. Einen vorläufigen Höhepunkt findet die Inszenierung in Al Najjars Forderung nach einer öffentlichen Entschuldigung. Dem Erstaunen der Ausschussmitglieder folgt Sprachlosigkeit, als sich der Betroffene tatsächlich entschuldigt. Das wiederum zaubert prompt ein siegreiches Lächeln auf das Gesicht von Ibrahim Al Najjar. Aber dieser Bußgang genügt ihm nicht. Entschlossen verlangt er nach einer Entschuldigung des Unterzeichners, der den Scherz aufgegriffen und sich gegen die von Al Najjar initiierte Polemik gewandt hat.

Nein, Herr Al Najjar, ich werde mich für ein harmloses Wortspiel nicht entschuldigen. Wer bei Couscous an Ausländerfeindlichkeit denkt, der ist an keiner ernsthaften politischen Zusammenarbeit interessiert. Mit Ihrem Schmierentheater schüren Sie billige Ressentiments gegen Ausländer und konterkarieren unsere Bemühungen um Integration. Auf diese Weise gießen Sie Öl in das Feuer ausländerfeindlicher Parteien. Das aber, Herr Al Najjar, werde ich nicht unterstützen!

 

Autor: Dr. Sascha Ott

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Comments (16)

  1. Vier Monate lang bewegt sich hier gar nicht und dann wird mir nur ein Kartoffelauflauf serviert? Wie sahen die „Bemühungen um Integration“ bei der CDU Greifswald eigentlich in den vergangenen beiden Jahren konkret aus? Lässt sich da irgendwie eine Bilanz über Erfolge und Misserfolge ziehen?

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    • Integrationsbemühungen? Ich wusste gar nicht, daß wir bei einem Ausländeranteil von 2 Prozent (HGW), Integrationsschwierigkeiten haben? Ich hoffe, wir sehen uns heute um 13.00 Uhr an den Stolpersteinen um gemeinsam für Toleranz und Menschenwürde ein kleines Zeichen zu setzen……….

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  2. Aber darum ging es doch in dem Text, um die Integration von Nichtdeutschen (und nicht um das ehrenwerte Gedenken von NS-Opfern, denn das ist ein ganz anderes Thema, mit dem Sie hier nicht ablenken sollten). Ich bezog mich auf diese Aussage des Beitrags „Mit Ihrem Schmierentheater schüren Sie billige Ressentiments gegen Ausländer und konterkarieren unsere Bemühungen um Integration.“ und habe mich gefragt, worin die Integrationsbemühungen bei Mitgliedern der CDU Greifwald in den letzten Jahren bestanden. Ich lese aufmerksam jede Pressemitteilung, lese von Affenhäusern, Putz- und Gedenkaktionen, aber das Thema Integration, das habe ich bis hierhin noch nie bei ihnen als besonders oder überhaupt präsent wahrgenommen. Helfen Sie mir auf die Sprünge, oder war das doch nur wie vermutet ein bisschen zuviel der heißen Luft?

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    • „Ich lese aufmerksam jede Pressemitteilung, lese von Affenhäusern, Putz- und Gedenkaktionen“

      Wenn sich fleißig über die hiesige Kommunalpolitik auslässt, dann sollte das vorgebliche Wissen nicht nur aus Pressemitteilungen stammen! Bei Bürgerschaftssitzungen beziehungsweise wie in diesem Fall Ausschusssitzungen nehmen zwar einige Stunden Zeit in Anspruch, sind viel informativer als irgendwelche Artikel in denen die Fakten oft nur bruchstückhaft und tendenziös wiedergegeben werden. Ansonsten handelt der Artikel über das Verhalten eines Ausschussmitgliedes und nicht über Integrationspolitik. Das Thema der Sitzung im übrigen der Kultur- und Sozialpass …

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      • Wenn ich deinen grammatikalisch höchst zweifelhaften Text richtig deute, dann kannst auch du, als alter Recherchefuchs, keine Antwort bieten. Wo sonst zu jedem mittelschweren Huster eine Pressemitteilung erscheint, da wäre doch auch Raum, über die Erfolge der Integrationsbemühungen zu rapportieren.

        BTW: Du hast es hier nicht mit einem Bericht, sondern mit einem kommunalpolitisch motiviertem Kommentar zu tun. Insofern ist auch und insbesondere der letzte Abschnitt relevant!

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    • Schade, daß ich Sie nicht bei den Stolpersteinen in HGW getroffen habe. Wirklich Schade! Es wäre für Sie wirklich eine echte Möglichkeit gewesen nicht nur über Integration und Toleranz zu schwadronieren, sondern selbst aktiv zu werden……
      Ansonsten brauchen wir im Umgang mit „Nichtdeutschen“, wie Sie sie, wie ich finde, so abfällig nennen, bestimmt keinen Nachhilfeunterricht !
      Wir haben gerade in unserer Familie vor einigen Wochen eine „Nichtdeutsche“-Jugendliche-Muslimin bei uns zu Hause kurzerhand einquartiert und zur Freude aller, wunderbar integriert……..
      Also nicht nur heiße Luft produzieren, sondern Völkerverständigung und Toleranz vorleben.

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      • Bei der Stolpersteinverlegung konnte ich in diesem Jahr leider nicht dabei sein, sie fand aber zugegebenermaßen auch zu einer arbeitnehmerunfreundlichen Zeit statt. Ich hoffe aber, dass sich ihr Engagment für Toleranz mit der passiven Beteiligung an dieser Aktion noch nicht erschöpft hat und genug Energie zum Schwadronieren und der Prroduktion heißer Luft verbleibt — hier lässt es sich ja schon ganz gut an!

        Ich muss allerdings nochmal auf die Integrationsbemühungen der CDU Greifswald zurückkommen: Wenn ich ihre Antworten auf meine Frage richtig verstanden habe, dann ist das Ergebnis der Integrationsbemühungen der CDU Greifswald aus den letzten Jahren, dass der Fraktionsvorsitzende der Bürgerschaft privat eine Austauschschülerin aufgenommen hat? Das ist natürlich lobenswert von Ihnen als Privatperson, aber mMn etwas dürftig als Gesamtbilanz der Partei vor Ort. Daher — und um Ihnen kein Unrecht zu tun — nochmal die Frage: Gibt es weitere Bemühungen der CDU um die Integration von nichtdeutschen Bürgern und Bürgerinnen in Greifswald zu fördern?

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        • ….Sie hätten mich doch gestern während der Bürgerschaftssitzung kontaktieren können. Ich habe Ihnen doch die Hand geschüttelt. Für diese kindliche Maskerade ist mir meine Zeit echt zu Schade! Tschüss.

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