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Die neue Sportförderrichtlinie des Landkreises Vorpommern-Greifswald

Redaktion 23. Februar 2013

Am vergangenen Montag, den 18.02.2013, beschloss der Kreistag mit großer Mehrheit eine neue, einheitliche Sportförderrichtlinie für den Landkreis. Vorausgegangen waren diesem Beschluss monatelange Verhandlungen der Kreissportbünde Uecker-Randow und Ostvorpommern, dem Stadtsportbund Greifswald sowie Vertretern aus dem Bereich Jarmen/ Tutow/ Loitz.

Letztlich entschied sich der Kreistag für den Vorschlag der Sportbünde. Ein Änderungsantrag der Fraktion FDP-BLG-Bahner fand hingegen keine Mehrheit. Mit dem Änderungsantrag sollte die vorgeschlagene Pro-Kopf-Förderung von 2:1 (Kinder:Erwachsene) auf 3:1 geändert werden. Zudem sollte der beim Sportbund für die Absicherung der Personalkosten sowie zur Organisation von zentralen Maßnahmen verbleibende Betrag von ca. 100.000 Euro auf ca. 52.000 Euro reduziert werden. Die genannte Fraktion begründete ihren Vorschlag zum einen damit, die Kinder- und Jugendförderung noch intensiver unterstützen zu wollen. Zudem hätte der Kreissportbund zu viel Personal, eine Verringerung der festen Kosten zu gunsten der Sportvereine wäre daher ratsam.

Die CDU-Fraktion hat sich gegen den Vorschlag der Fraktion FDP-BLG-Bahner ausgesprochen. Für uns galt, einen Kompromiss zwischen den bisherigen Verfahrensweisen in den ehemaligen Landkreisen Uecker-Randow und Ostvorpommern, der Hansestadt Greifswald und dem Gebiet der Gemeinden Jarmen/ Tutow/ Loitz zu finden. Um das Kernproblem der Diskussion zu verdeutlichen, ist ein Blick in die Vergangenheit ratsam. Während in der Hansestadt Greifswald bislang ausschließlich die Kinder- und Jugendarbeit gefördert wurde, erhielten im ehemaligen Landkreis Uecker-Randow alle Sportvereine eine finanzielle Unterstützung. Im Bereich des ehemaligen Landkreises Ostvorpommern hingegen wurden nur einzelne Projekte gefördert. Hier einen Kompromiss zu finden, war insbesondere für die Sportler wohl eine Herkulesaufgabe und verlangt größten Respekt.

Für mich war bei der ganzen Diskussion entscheidend, dass sowohl ein Augenmerk auf die Kinder- und Jugendarbeit gelegt wird, im Gegenzug aber auch der Breiten-, Gesundheits- und Präventionssport für Erwachsene weiterhin gefördert wird. Insbesondere im ländlichen Bereich leben viele kleine Gemeinden im kulturellen und sportlichen Bereich lediglich noch von den Feuerwehren und Sportvereinen. Oftmals gibt es in den Dörfern kaum noch Jugendliche sodass demzufolge auch für die Sportvereine kaum Nachwuchs vorhanden ist. Eine ausschließliche Förderung von Kinder- und Jugendarbeit würde diese kleinen Vereine, die aber insgesamt sehr viele Sportler beherbergen, mittelfristig hart treffen. Der ein oder andere Verein würde dabei wohl zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Wenn dann aber diese Vereine auf den Dörfern wegfallen, erlöschen zugleich auch die Anlaufpunkte für die Kinder- und Jugendlichen im ländlichen Bereich. Diese Kinder hätten in diesem Fall keine Möglichkeit mehr, im näheren Umfeld Sport zu treiben, da schlichtweg niemand mehr da ist, der sich um sie kümmern kann. In diesem Zusammenhang wurde auch darüber diskutiert, ob man von den Vereinen nicht eine Anhebung der Mitgliedsbeiträge verlangen kann. Ein Blick auf die Einkommenssituation macht jedoch deutlich, dass viele Familien in unserer Region schon jetzt sehr viel Kraft aufwenden müssen, um Mitgliedsbeiträge von dem oft geringen Einkommen abzuführen.

Eine Erhöhung dieser Beiträge ließe befürchten, dass diese Personen sich dann schlichtweg eine Mitgliedschaft im Sportverein nicht mehr leisten können. Dies kann und darf nicht das erklärte Ziel sein. Deswegen ist es aus meiner Sicht richtig, Kinder- und Jugendliche besonders zu fördern, gleichzeitig aber auch den Breiten-, Gesundheits- und Präventionssport für Erwachsene im Verhältnis 2:1 zu unterstützen. Dies wurde durch den Kreistag in großer Einstimmigkeit auch entsprechend beschlossen.

Der Vorschlag der Fraktion FDP-BLG-Bahner, die Direktzuwendungen an den Kreissportbund für die eigene Verwaltung sowie die Organisation von zentralen Maßnahmen von jetzt ca. 100.000 Euro auf zukünftig ca. 50.000 Euro zu verringern und im Gegenzug den Differenzbetrag an die Sportler weiterzureichen, wurde bereits im Vorfeld im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport intensiv diskutiert. Dabei machte der Geschäftsführer des Kreissportbundes, Herr Plank, auf meine Nachfrage hin deutlich, dass in diesem Fall von den bislang beschäftigten 6 Mitarbeitern lediglich 4 Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden könnten und daraus resultierend eine Reduzierung der Geschäftsstellen (bislang Pasewalk, Wolgast, Greifswald) von 3 auf 2 erfolgen müsste. Dies widerum würde dazu führen, dass eine Betreuung der Sportvereine nur noch im eingeschränkten Maße möglich sei.

Legt man die beim Vorschlag der Fraktion FDP-BLG-Bahner gemachten Einsparungen (ca. 50.000 Euro) auf die Anzahl der Sportler im Landkreis (ca. 40.000) um, würde jeder Sportler durchschnittlich 1,25 Euro mehr erhalten. Berücksichtigt man dann jedoch den Fakt, dass dadurch die umfassende Betreuung der Vereine und somit der Ehrenamtler (insbesondere der ehrenamtlichen Vorstände) auf der Strecke bleibt, so regt dies durchaus zum Nachdenken an. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass die Mitarbeiter des Kreissportbundes nicht nur bei der Beantragung von Fördermitteln des LSB behilflich sind sondern auch  gezielte Fördermaßnahmen für spezielle Sportprojekte etc. auf Wunsch der Vereine bei den verschiedenen Ministerien, Verbänden etc. erfragen und sogar bei der Antragstellung unterstützen. Diese Betreuung der Vereine insbesondere bei der Akquirierung zusätzlicher Fördermittel sehe ich höherwertiger als die zusätzlichen 1,25 Euro je Sportler an. Am Abstimmungsergebnis im Kreistag hat man gesehen, dass ein Großteil der Kreistagsmitglieder dies ebenfalls so gewichtet haben.

Abschließend sei angemerkt, dass die nun beschlossene Richtlinie keinesfalls „unantastbar“ ist. Sollte sich herausstellen, dass bestimmte Punkte nicht praktikabel sind oder es Probleme bei der Umsetzung gibt, muss man sich dessen erneut annehmen und im Interesse der Sportler eine Lösung finden.

Ein Gastbeitrag von Marco Schulz. Der Autor ist Mitglied im Kreistag von Vorpommern-Greifswald und Stadtvertreter in Anklam.


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