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Die Debatte um Ernst Moritz Arndt ist link(s)

Redaktion 2. Februar 2017

Die Debatte um den Namenspatron unserer Universität offenbart die ganze Verlogenheit der links-grünen Mehrheit in der Bürgerschaft. Argumente, die gestern noch galten, sind heute ohne Belang. Es werden erlogene Vorwürfe erhoben, Menschen abgewertet und bedroht – Es kann einem nur übel werden.
NEIN,
die Hochschulautonomie soll nicht angegriffen werden. An diesem ge-setzlich verankerten Recht bestehen überhaupt keine Zweifel. Autonomie heißt aber zuallererst Verantwortung. Das gestattete Recht ist unbedingt mit Maß und Anstand auszuüben, mit Rücksicht und Sitte. Die Universität steht nicht außerhalb von Raum und Zeit. Sie steht hier in Greifswald, in Vorpommern.

NEIN,
die Art und Weise der Entscheidungsfindung durch den Senat der Universität können wir Greifswalder ist nicht akzeptabel. Und wir wollen auch die Arroganz nicht akzeptieren, mit der uns diese Entscheidung vermittelt werden soll. In den vergangenen Wochen hat mich besonders befremdet, dass jene, die Versöhnung fordern, die Gräben erst aufreißen, dass jene, die immer von Mitbestimmung reden, die Bürger gar nicht erst einbeziehen, dass jene, die unermüdlich auf ihre demokratischen Rechte pochen, solange abstimmen lassen, bis das Ergebnis passt. Vor allem aber dass jene, die stets Achtung für Fremde einfordern, nicht einmal bereit sind, die Gepflogenheiten der Einheimischen zu respektieren.

NEIN,
es geht hier nicht um einen Ost-West-Konflikt, auch nicht um einen Konflikt zwischen Einheimischen und Zugezogenen. Es geht in erster Linie darum, die Befindlichkeiten der hiesigen Bevölkerung zu respektieren. Hierzu muss man sich eben die Mühe machen, die Menschen unserer Region zu verstehen. Das fällt jemanden, der jung und unerfahren ist, der hier nicht sozialisiert ist, naturgemäß schwerer als den Einheimischen. Das hat nichts mit Ressentiments zu tun, es ist eine schlichte Tatsache. Zudem erwächst der Eindruck, dass bei vielen jungen Menschen nur ein zweidimensionales Geschichtsverständnis vorhanden ist: Vor 1945 – alles schlecht, nach 1945 – alles gut. Das ist falsch und lässt große Defizite in Elternhaus und Schule erkennen. Anders als in den alten Bundesländern mussten die Menschen in der DDR ihre Identitäten vielfach aufgeben. Oft wurden diese ideologisch überlagert: Die Vertriebenen hießen Umsiedler, Bauern und Unternehmer waren Kriegsverbrecher und Kapitalisten, aus Pommern wurde Mecklenburg. Die Menschen hier mussten aber nicht nur ihre Herkunft verleugnen. Sie wurden auch in Mundart, Religion und Tra-dition größtenteils beschnitten. Letztlich galten auch viele DDR-Lebensentwürfe mit der Wende plötzlich nichts mehr. So viele Brüche hinterlassen Scherben. Wer will es also den Menschen verdenken, wenn sie das Wenige, was lebendig geblieben ist, nicht mehr hergeben wollen? Wer die Menschen Ihrer Identität beraubt, der schwächt den Zusammenhalt der Gesellschaft und öffnet die Flanke für radikale Parteien. Hier wissen wir zu gut, was das bedeutet.
NEIN,
Ernst Moritz Arndt war kein „Nazi“ und auch kein Zeitgenosse, für den man sich hätte schämen müssen. Er war ein deutscher Patriot. Jedes Volk hat seine Geschichte. Historische Persönlichkeiten sind Kinder ihrer Zeit und auch nur so zu begreifen. Sie aus dem HEUTE der Freiheit, des Wohlstands und der Sicherheit heraus zu verurteilen, ist hochmütig und töricht. Ein solches Denken wird aber zur ernsten Gefahr, wenn es ideologisch überfrachtet ist. Wenn jene Kräfte die deutsche Geschichte durchstreifen, nur um alles auszumerzen, was nicht in ihr oberlehrerhaftes Weltbild passt. Gleichsam wie Heuschrecken der Geschichte. Das bereitet vielen Menschen Sorgen. Denn jede Tyrannei hat damit begonnen, die Vergangenheit auszulöschen, um die Gegenwart zu kontrollieren.

Persönlichkeiten stiften Identität. Ernst Moritz Arndt ist Vorpommern. Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität ist Greifswald. Die Mehrheit der Greifswalder Bevölkerung will den Namen ihrer Universität behalten. Davon zeugen zahllose Hilferufe an die Stadt, die Bürgerschaft und an die Presse. Wohin sollen sich die Menschen sonst wenden? Auch von unserem Oberbürgermeister erfahren wir keine Unterstützung. Statt sich entschieden für die Interessen Greifswalds einzusetzen, belässt es der promovierte Historiker bei unterwürfigen Gesten.
Ich bin froh, dass die Menschen so empfindlich reagieren und ihre Identität verteidigen. Wir lassen uns und unsere Vergangenheit nie wieder aus den Geschichtsbüchern tilgen!

Die Entscheidungsträger der Universität rufe ich deshalb auf: Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht! Respektieren Sie die Menschen der Region und ihr historisches Erbe! Fordern Sie nicht nur, ein wesentlicher Bestandteil unserer Stadt zu sein, sondern seien sie es auch! Belassen Sie es bei Ernst Moritz Arndt!
Dr. Sascha Ott

(aus meiner Rede vor der Greifswalder Bürgerschaft am 30. Januar 2017)

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