PommernBlog

0

17.Juni – Gedenktag für Freiheitsdrang und Zivilcourage Kurzanalyse zum 60. Jahrestag des Volksaufstandes

Christian Kruse 4. Juni 2013

Das Anliegen der CDU-Fraktion mit dieser Vorlage ist die Erinnerung an ein Ereignis, das die bedeutendste zivil gesellschaftliche Erfahrung „von unten“ in der DDR vor 1989 war. Ein Ereignis was sich vor 60 Jahren zu trug und als Symbol für Freiheit und Demokratisierung in die Geschichte eingegangen ist. Nun war dies kein spontanes Tagesereignis, sondern muss als Ergebnis der vorangegangenen Geschehnisse betrachtet werden.

Die DDR, die das bessere Deutschland sein wollte, war gerade 3 Jahre und 8 Monate alt als sich herausstellte das die Politik der sich bis dahin formierten SED-Diktatur, gescheitert war.“Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“, mit diesen Worten gab Walter Ulbricht die Linie vor, die dazu führte das sich in der sowjetischen Besatzungszone die Alleinherrschaft der SED durchsetzen konnte. Was demokratisch beginnen sollte, Parteien wurden gegründet, Wahlen wurden abgehalten, dauerte nur Monate. Als man feststellte das die durch Zwangsvereinigung geschaffene SED bei Wahlen nicht den gewünschten Erfolg brachte, nahmen die Repressalien, insbesondere gegen bürgerliche und liberale Kräfte, die man als Gegner sah, ihren Lauf. Die Gründungsväter der Parteien wurden verhaftet, deportiert oder verschwanden einfach von der Bildfläche. Doch auch die Vertreter der Arbeiterparteien die der SED skeptisch gegenüber standen, blieben nicht verschont. Tausende aufrechte Sozialdemokraten, aber auch kommunistische Abweichler mussten dran glauben. Gerade diejenigen die Lehren aus der Geschichte gezogen hatten und sich für ein besseres Deutschland einsetzten, wurden mit unnachgiebiger Härte verfolgt. Schauprozesse (Waldheim) und Terror gegen die eigene Bevölkerung waren an der Tagesordnung.

Tiefgreifende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, Zwangskollektivierung der Landwirtschaft, Enteignungen (Aktion Rose-Feb. 53), Zentralisierung des Staatsapparates(Auflösung der Länder im Juli 52 durch Ablösung von 14 Bezirken) führten zwangsläufig zu Spannungen, da sie dem Volk aufgedrückt wurden ohne jegliche demokratische Teilhabe. Auch durch den von Moskau geforderten „Neuen Kurs“, der Anfang Juni von der SED-Führung bekannt gegeben wurde, konnte eine Beruhigung der Lage des sich bis dahin aufgebauten Frustes der Bevölkerung, nicht mehr erreicht werden. Letzten Endes war das Festhalten an die vom März 53 festgelegten Normerhöhungen nur der letzte Tropfen um das Fass zum überlaufen zu bringen.

Republikweit in über 600 Städten und Gemeinden begehrten die Bürger auf. Die SED-Führung war zunächst hilflos und rief das Kriegsrecht aus. Schließlich wurde der Volksaufstand durch sowjetisches Militär und KVP der DDR unter Einsatz von Waffengewalt und Panzern niedergeschlagen. So wurde der 17.Juni zum Sinnbild für die tiefe Legitimationskrise in der sich die SED und der von ihr geplante Aufbau des Sozialismus befanden. Was vor 60 Jahren niedergeschlagen wurde, konnte sich 1989 vollenden und darf in seiner Bedeutung nicht der allgemeinen Beliebigkeit zum Opfer fallen.

Freiheit und Demokratie zu leben wird schnell als Selbstverständlich empfunden. Nachwachsende Generationen zu sensibilisieren dieses Gut zu bewahren und sich den Kampf darum stets zu erinnern, muss die Aufgabe unserer Zeit sein.

Dass es Parteien die heute als demokratisch gelten es nicht grundsätzlich so sehen, sei an einem Beispiel beschrieben.
Als der damalige Bundespräsident Horst Köhler 2009 im Gespräch mit Schülern davor warnte die DDR zu verklären, brachte der Ehrenvorsitzende der Linken (SED-Nachfolge-Partei)in einem offenen Brief sein Missfallen zum Ausdruck in dem er ihm riet,“ lieber einen politischen Gebrauch verschiedener Jahrestage entgegenzutreten, denn damit werde die Würde von Menschen im östlichen Teil des Landes verletzt und ihnen die Achtung verweigert“. Hinter der Fassade einer scheinbar geläuterten Partei ist es lange nicht so hell wie es manchmal scheinen mag.

Kommentar hinterlassen

Anmelden

Kann mich nicht an Sie erinnernPasswort ?

Registrieren